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Predigten

Predigtreihe „Ärzte auf der Kanzel“

Predigt vom 17. Januar 2010:

Dr. M. Krammer, Chefarzt Innere Medizin 2, Siloah - St. Trudpert - Klinikum

„Die Krise auf der letzten Wegstrecke – das Totschweigen des Todes“

Thema: Umgang mit dem Tod

1. Vorstellung der eigenen Person:

       - Kardiologischer Chefarzt am Siloah St. Trudpert Klinikum

       - seit ca. 11 Jahren in Pforzheim

       - katholisch, verheiratet, 4 Kinder

2. Kontakt:

       - über ehemaligen Krankenhausgeistlichen Pfarrer Wettach

3. Thema: Umgang mit dem Tod im Krankenhaus

4. Einführende Gedanken:

       - in der deutschen Gesellschaft wird zu wenig über das Sterben gesprochen

       - Sterben ist „unlauter“

       - gestorben wird heimlich

       - Sterben im „Bad, Abstellkammer“

       - Sterben alleine

       - Rufen Sie mich an wenn „es“ vorbei ist

5. Umgang mit dem Tod im Krankenhaus von Seiten des Arztes:

       - unterschiedliche Vorgehensweise:

               - Hoffnung bis zum letzten „Atemzug“

                        - sich nicht eingestehen können, dass der Patient versterben wird

                        - das Versterben des Patienten als Versagen missdeuten

                        - mit dem Tod nicht umgehen können

               - den „way of no return“ erkennen

                        - adäquate Sterbebegleitung

                        - “ehrlich” mit dem Patienten darüber sprechen

                        - den Patienten und Angehörige darauf vorbereiten

                        - rechtliche Seite (Testament)

        - Sterbebegleitung

                - durch Arzt und Pflegepersonal

                - räumliches Umfeld (Palliativ-Zimmer)

                - Schmerzlinderung (Schmerzbogen, Morphin)

                - Supportivmaßnahmen (Kost, Tabak, Spirituosen) 

                - Patientenverfügung (Leitlinie, gesetzlich nicht bindend)

                - Gespräch über das „Leben“ nach dem Tod

                - Angebot „geistlicher“ Hilfe (evangelischer Krankenhausgeistlicher,

                       katholische Seelsorgerin)

6. Umgang mit dem Tod im Krankenhaus von Seiten des Patienten:

        - Negieren, Ablehnen, Aggressivität gegen sich selbst

                 - Krankheit / Sterben wird nicht akzeptiert 

        - Passivität, Depression

                 - mir ist alles egal

                 - lasst mich in Ruhe „sterben“

        - Sterben akzeptieren

                 - Regeln der Angelegenheiten für sich und die Angehörigen

                 - Totenmesse, Totenschmaus …

7. Umgang mit dem Tod im Krankenhaus von Seiten der Angehörigen:

        - Negieren, Ablehnen

                - Aggressivität gegenüber den behandelnden Arzt 

                - Projektion der eigenen „Schuld“

        - Aktiver Umgang mit dem Versterben

                - Gespräch mit dem Angehörigen

                - Testament, Vermögensangelegenheiten

                - Benachrichtigung der Verwandten

                - Bestattungsart

8. Ziele:

        - Sterben „gesellschaftsfähig“ machen

        - Sterben ist nicht „unlauter“

        - frühzeitig über das mögliche Ableben sprechen

        - mit den Angehörigen das „Procedere“ besprechen

                - Sterben in Würde, Ruhe und falls erwünscht mit geistlicher Begleitung

        - Sterben im Beisein seiner Angehörigen

        - Sterben als Beginn eines neuen „Seins“ begreifen

        - Sterben als Teil des Lebens akzeptieren

 

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Predigt vom 24. Januar 2010:

Dr. Frank Schneider, Facharzt für Innere Medizin, Mönsheim

 „Gesund an Leib und Seele“

 

Liebe Buckenberg - Gemeinde !        

Heute darf ich als zweiter Arzt in der Predigtreihe Ärzte auf der Kanzel zu Innen sprechen. Als Jasmin Heiden mich vor einigen Monaten an einem Hauskreisabend fragte, ob ich bei diesem Gottesdienst mitwirken wolle, freute ich mich sehr. Denn wie einige von Ihnen wissen, wohnten wir von 1993 bis 2000 auf dem Buckenberg, unser Sohn Josua wurde hier getauft und zusammen mit Gisela und Roland Bruker gründeten meine Frau Diana und ich einen Hauskreis, der bis heute fortbesteht. Der Bibeltext, den wir bei der Lesung schon gehört haben, die Heilung des Gelähmten, soll die Grundlage zu meinen Ausführungen sein, unser Thema lautet:  Gesund an Leib und Seele.

„Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund, dein Wort ist´s, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit. „ AMEN

Liebe Gemeinde !    

Krankheiten machen uns immer wieder bewusst, dass nicht alles im Leben steuerbar und kontrollierbar ist und dass wir uns oft nicht selbst helfen können. Da ich als Arzt zu Ihnen spreche, möchte ich zuerst auf die „Leibliche Gesundheit“ eingehen, bevor wir uns dann der „Seelischen Gesundheit“ zuwenden. Auf dem Handzettel an Ihrem Platz finden alle Gliederungspunkte zu Ihrer besseren Übersicht.

LEIBLICHE GESUNDHEIT

Beim Thema Leibliche Gesundheit möchte ich mit Ihnen zuerst das Menschenbild betrachten, dann den Gesundheitsbegriff und zuletzt die medizinischen Erkenntnisse zum Thema Gesundheitsförderung vortragen. Das neuzeitliche, das biopsychosoziale Menschenbild, das den Menschen künstlich trennt in Körper und Seele/Geist wurde vor allem geprägt durch den Mathematikers Rene Descartes. Er bezweifelte 1619 alle Erkenntnis mit Ausnahme des eigenen Denkens. „Cogito ergo sum - ich denke, also bin ich“ – so lautete seine These. Diese völlig neue analytische Denkmethode führte vor allem in den Naturwissenschaften zu der Annahme, komplexe Zusammenhänge könnten verstanden werden, wenn man sie auf ihre Bestandteile reduziert (F. Capra- „Wendezeit“).Damit leitete er eine neue Epoche in Philosophie und Wissenschaft ein. Auch die Medizin hat sich aufgegliedert in viele Spezialdisziplinen, die nur noch Teile des Menschen im Blick haben. Ganz anders wendet sich Jesus dem Gelähmten zu. Er sieht den Kranken, der sich schon völlig aufgegeben hatte und durch seine Freunde, die noch an ein Wunder glaubten, zu Jesus gebracht wurde. Jesus erkennt das offensichtliche aber auch das verborgene Leiden und heilt beides. An erster Stelle steht die Schuldvergebung, zuerst wird weggenommen, was uns von Gott trennt also das Heilwerden der Gottesbeziehung – dann schenkt Jesus dem Kranken einen unversehrten Körper, also das Heilwerden des Leibes. Das biblische Verständnis des Menschen ist immer ganzheitlich, der Mensch als Gottes Geschöpf hat eine Leib - Seele - Einheit.

Dies führt uns zum Gesundheitsbegriff. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gesundheit als Zustand völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Unter Medizinern kursiert das geflügelte Wort: Wer gesund ist, ist nicht gut genug untersucht. Dies unterstellt, dass Gesundheit allein schon das Fehlen von Krankheit ist, was ich für falsch halte. Umfassende Gesundheit ist mehr als das Maschinenmodell des Menschen, das, wenn es gut gewartet wird und wenn gelegentlich ein paar Ersatzteile ausgetauscht werden, wieder voll funktionsfähig ist und bleibt. Nein, es geht beim Gesundheitsbegriff um einen dynamischen Gleichgewichtszustand auf mehreren Ebenen: Körper-Seele-Einheit als Person, das Sozialgefüge um uns herum und schließlich die Umwelt. Wir befinden uns meist in einem Zustand zwischen den Polen „todkrank“ und „völlig gesund“. Es gibt neben krank-machenden auch gesund-erhaltende Faktoren, wie der jüdische Soziologe Aaron Antonovsky an KZ-Überlebenden untersuchte. Als Beispiele von Kraftquellen nennt er geistige bzw. gestalterische Fähigkeiten, ein stabiles Selbstwertgefühl, eine offene Haltung seinem sozialen Umfeld gegenüber und Religiosität. Darüberhinaus gibt es weitere, wichtige Maßnahmen zur Gesunderhaltung.  Sebastian Kneipp sagte einmal: „Wer nicht jeden Tag etwas Zeit für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern. – Eine Erfahrung, die ich jede Woche in meiner Praxis mache.

Im Zentrum der Gesundheitsvorsorge geht es um unseren Lebensstil und damit auch um unsere Eigenverantwortung. Es geht um unsere Ernährungsgewohnheiten, um unser Bewegungsverhalten, um die Kontrolle des Körpergewichts, um Nichtrauchen und um geistige Aktivitäten. Im Leitartikel der Monatszeitschrift „Allgemeinarzt“, fand ich in der Juniausgabe 2008 die Aussage, dass der Einfluss des Lebensstils auf die Gesundheit 62 % ausmacht, wogegen die Erbfaktoren gerade mal mit 28 % und gar die medizinische Therapie mit nur 10 % angegeben wurden. Hippokrates von Kos hat im 4. Jahrhundert vor Christus seine Regeln der Lebensführung , seine Diaita, aufgeschrieben, daher stammt unser Wort Diät. Der Begriff Diät lässt an Einschränkung und Verzicht denken. Hippokrates hat es allerdings viel umfassender, ganzheitlicher gemeint z.B. den Wechsel von Arbeiten und Ruhen, von Wachen und Schlafen, von Aktivität und Entspannung.         

Die Ernährung als erste Säule der Gesunderhaltung sollte z.B. der Mittelmeerkost entsprechen. Viel frisches Obst und Gemüse, Salat, Vollkornprodukte, hochwertige Fette, d.h. vor allem einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Nach dem Insulinprinzip gilt möglichst nur drei Mahlzeiten ohne Zwischenmahlzeit nach dem Motto Kaiser-König-Bettelmann zu essen, abends eiweißbetont , kohlehydratarm sowie ausreichend zu trinken. Das sind die Eckpunkte einer modernen, wissenschaftlich begründeten Ernährungslehre. Mit Hippokrates gesprochen: „Die Nahrung soll unsere Medizin sein.  

Als zweite Säule der gesunden Lebensführung gilt die Bewegungstherapie. Mindestens 30 Minuten Ausdauertraining pro Tag, sei es als zügiges Spazierengehen, als Jogging, als Fahrradfahren oder Schwimmen gilt als ideal. Bewegung hat eine Vielzahl von positiven Auswirkungen auf unseren Organismus, angefangen von Stoffwechsel und Gewichtskontrolle, über das Herz-Kreislaufsystem bis hin zu Stressabbau, Stärkung der Abwehrkräfte und des Selbstwertgefühls. Die größte Hürde ist der sog. Innere Schweinehund, der sagt: „ich habe jetzt keine Lust, ich schaffe das sowieso nicht, mir ist das viel zu anstrengend, ich mag das Schwitzen nicht usw.“ Nach etwa 4-6 Wochen wird der Schweinehund leiser, das weiß ich aus eigener Erfahrung, vorausgesetzt Sie haben eine Bewegungsart gewählt, die Ihnen auch ein bisschen Spaß macht. Gegenseitige Motivation durch Mitstreiter ist ebenso hilfreich. Dazu sagt Hippokrates, der den Begriff Anti - Aging oder besser Good - Aging noch nicht kannte: „ Alle Körperteile, die gebraucht werden, sind gesund, gut entwickelt und altern langsamer. Wenn sie jedoch nicht benutzt werden und träge sind, neigen sie zur Krankheit und altern schnell.“             

Als dritte und letzte Säule möchte ich das Entspannungstraining bzw. die Stressbewältigung nennen. Seit etwa 5 Jahren führe ich Patientenschulungen für Autogenes Training in meiner Praxis durch. Die Rückmeldungen sind positiv. Beim Autogenen Training wird der körpereigene Ruhepol des vegetativen Nervensystems gestärkt und damit das innere Gleichgewicht wieder hergestellt. Das kann sich direkt körperlich auswirken z.B. durch einen niedrigeren Blutdruck, eine bessere Verdauung oder erholsameren Schlaf. Stressfaktoren sind vielfältig: Schicksalsschläge, der sog. hausgemachte Stress z.B. durch Perfektionismus, es allen recht machen wollen, Stress durch Reizüberflutung, Stress im Straßenverkehr, Stress am Arbeitsplatz, in der Partnerschaft und manchmal auch in der Freizeit. Als Folgen von Stress sind u.a. Hörsturz und Tinnitus, aber auch Bluthochdruck, Rückenschmerzen und Muskelverspannungen, Infektanfälligkeit, Reizmagen und Reizdarm Konzentrations- und Gedächtnisstörungen bekannt. Anregungen fürs Stressmanagement könnten sein: regelmäßig einen inneren Rückzugsraum suchen (z.B. im Gebet), Hobbys und gute soziale Kontakte pflegen, anderen helfen, ausreichend schlafen, Bewegungstraining, nein sagen lernen……    Zusammenfassend lässt sich mit Sir Winston Churchill sagen: „Man soll dem Leib etwas Gutes anbieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“

Das Thema Seelische Gesundheit soll nun aus drei verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, die sich aus der Dreieinigkeit Gottes ableiten, nämlich

Der Mensch als Geschöpf Gottes (Gott Vater, der Schöpfer)       

Der Mensch als Sünder (Gott Sohn, der Erlöser)  und       

Der Mensch als heil gewordenes (vollendetes) Wesen (Gottes Geist , der Vollender)

 

Der Mensch als Geschöpf Gottes

Nach den Schöpfungsberichten in 1. Mose ist der Mensch nach Gottes Bild geschaffen mit allen seinen Gaben und Möglichkeiten, aber auch mit seinen Grenzen und nicht zuletzt mit seiner Willensfreiheit. Gott hat uns nicht willenlos und marionettenartig geschaffen. Gott hat dem Menschen als einzigem Lebewesen einen Denkapparat gegeben, der über Instinktverhalten weit hinausgeht. Daher sind wir überhaupt in der Lage, unserem Schöpfer gegenüberzutreten und diese Beziehung auch aktiv zu gestalten. Das ist der Ursprungszustand des Menschen im Paradies, wo von Krankheit und Tod noch keine Rede ist. Doch wenn die Willensfreiheit des Menschen sich gegen Gott kehrt, wenn der Mensch sich aus Rebellion und Eigensinn gegen Gottes Gebote wendet, verändert sich dieser gute Grundzustand – und das ist die Realität, in der wir leben:

Der Mensch als Sünder

Es geht hier nicht nur um unsere Sünden sozusagen als Einzeltatbestand, es geht um die Schuldverflochtenheit der Menschen also um die gefallene Schöpfung. Ich denke, jeder von uns hat seine eigenen Grenzerfahrungen schon gemacht. Gesundheit, Liebe, Vertrauen, Glauben – wir können so Vieles nicht erzeugen, uns erarbeiten oder gar kaufen. Wir bedürfen der Erlösung und Rettung von Gott her, der uns als unser Schöpfer ja besser kennt, als jeder andere. Am Beginn des Johannesevangeliums ist bezeugt, dass Jesus als Sohn Gottes ganz aktiv in diesen Schöpfungsakt mit einbezogen war. Er ist als Mensch und unser Bruder in diese Welt gekommen, wie wir an Weihnachten gerade gefeiert haben. Durch seinen Tod am Kreuz hat er unsere ganz persönliche Schuld, die uns von Gottes Liebe und Güte trennt, gesühnt und uns davon befreit. „ Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt“ - welche Prophetie liegt in diesem Wort aus Jesaja 53, V.4+5. Krankheit und Tod gehören zur gefallenen Schöpfung und die Menschen sind von Anfang an daran beteiligt und mitverantwortlich. Aber Gott schickt uns keine Krankheiten, um uns zu bestrafen, Jesus selbst widerspricht dieser Meinung ganz deutlich in Joh. 9, 1-3, als seine Jünger ihn fragten, ob der Blindgeborene oder seine Eltern gesündigt hätten. „ Es hat weder dieser gesündigt, noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“ Als Kommentar dazu zitiere ich Hinrich C.G. Westphal aus dem Andere - Zeiten Adventskalender (Zitat: Jesus lehnte es ab, angesichts einer Krankheit die Warum - Frage zu stellen, er fragt nach dem Wozu.“ Warum?“ kreist um die Vergangenheit und grübelt immer wieder über Ursachen und Schuld. „Wozu?“ schaut nach vorn und fragt nach möglichen Zukunftsperspektiven). Wir können uns vieles nicht erklären, können oft nur hinnehmen, dass ein geliebter Mensch uns durch eine schwere Krankheit oder durch einen Unfall genommen wird – dies ist die Realität der gefallenen Schöpfung. Paulus formuliert diesen Zustand in 1. Kor. 13, V 12. so: „ Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ Unsere lebendige Beziehung zu Jesus bewirkt das Heilwerden, so wie es der Kranke in der Heilungsgeschichte umfassend, also körperlich und seelisch erlebte. Das innere Heilwerden muss jedoch nicht zwangsläufig mit einer körperlichen Genesung verbunden sein. Dies durfte ich in den letzten Monaten bei meinem krebskranken Onkel erleben, der am 19. Dezember heimging. In einem Gespräch sagte er mir, er wisse ganz genau, dass es für ihn keine körperliche Heilung gebe, aber das wichtigere wäre ja auch, dass Christus in ihm grösser werden müsse. Das hat mich sehr beeindruckt. Es macht aber auch deutlich, dass es zuletzt nicht auf unser eigenes Zutun, sondern auf das Handeln Gottes an uns ankommt, nämlich

Das Heilwerden und die Vollendung des Menschen (durch das Wirken des Heiligen Geistes)

Mit Jesus hat eine neue Zeitgeschichte begonnen. Nach der Versöhnung mit Gott kommt die Neu-schöpfung, und das dürfen wir auch ganz persönlich auf uns anwenden. In der ursprünglichen Schöpfungsabsicht Gottes gibt es für jeden von uns sozusagen einen Idealentwurf unseres Wesens – und dahin will uns die Vollendung durch den Heiligen Geist führen. Die dritte Strophe des Einladungslieds von PRO CHRIST lautet:

Jesus, bei dir muss ich nicht bleiben wie ich bin, nimm weg, was mich uns andere zerstört, einen Menschen willst du aus mir machen, wie er dir gefällt, der ein Brief von Gottes Hand ist, voller Liebe für die Welt. Du hast schon seit langer Zeit, für mich das Beste nur im Sinn, denn bei dir muss ich nicht bleiben, wie ich bin. (Hinweis Handzettel)

Das Wirken des Heiligen Geistes kann und wird das in uns hervorbringen, was Gott ursprünglich in uns hineingelegt hat. Auch dazu erzählt uns die Bibel eine sehr eindrückliche Geschichte, die wir in unserem Hauskreis schon intensiv besprochen haben, die Geschichte von Jesus und Nikodemus. Jesus erklärt dem unverständigen Gelehrten, dass der Mensch durch den Geist Gottes neu geschaffen wird gleichsam einer zweiten Geburt. Es ist Gottes Initiative, wir dürfen es uns gefallen und an uns geschehen lassen, aber wir müssen dazu bereit sein und uns nicht dagegen sperren. Wir dürfen darauf vertrauen, dass uns das Wirken des Heiligen Geistes Gott näher bringt. Über das Einzelschicksal hinaus bedeutet diese Neuschöpfung aber auch einen globalen Neuanfang zwischen Gott und den Menschen, ja die Erde und das gesamte Universum werden umgestaltet, es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben, wie es der Seher Johannes in der Offenbarung Kap. 21 in den ersten Versen bezeugt: Gott wird bei den Menschen wohnen und wird abwischen alle Tränen, der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid und Geschrei und Schmerz. Alles Elend unserer menschlichen Existenz wird überwunden sein und alle unsere Fragen und unser Nicht - Verstehen werden ein Ende haben. Zum Abschluss möchte ich Ihnen auszugsweise das Christusbekenntnis eines Arztes vorlesen, der auch Theologie und Philosophie studiert hat und zuletzt als Bestseller - Autor von sich reden machte. Manfred Lütz schreibt in seinem Buch: GOTT – Eine kleine Geschichte des Größten (Zitat)

Was ich Ihnen heute Morgen mitgeben möchte, lässt sich etwa so zusammenfassen:

Für unsere leibliche Gesundheit können wir eigenverantwortlich tätig werden. Indem wir uns gesund ernähren, uns regelmäßig bewegen, krankmachende Faktoren wie Übergewicht und Rauchen abbauen bzw. vermeiden und nicht zuletzt für ausreichend Entspannungsmöglichkeiten und innere Ausgeglichenheit sorgen. Für unsere seelische Gesundheit ist eine lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer wichtig, die sich auch in den Beziehungen zu unseren Mitmenschen widerspiegelt. Jesus kam als Mensch auf die Erde und ist als Gottes Sohn zugleich unser Erlöser und Heiland. Jesus ermutigt uns dazu, seinem Beispiel zu folgen und dem Wirken des Heiligen Geistes in uns Raum zu geben.    

Dazu wünsche ich uns allen Mut und Glaubenskraft. AMEN

 

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Predigt vom 07. Februar 2010:

Ralf Fuhrmann, Hausarzt, Pforzheim

„Krankheit als Stigmatisierung - der kranke Menschen als Außenseiter“?

 

Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Herr segne unser reden und hören.

Liebe Gemeinde,

neu und ungewohnt ist es heute für mich hier an dieser Stelle auf der Kanzel vor ihnen zu stehen.

In meinem beruflichen Alltag als Hausarzt bin ich eher den Dialog mit Einzelnen oder auch mal mehreren Menschen auf Augenhöhe gewohnt – nicht aber eine Ansprache - oder gar Predigt.

Zunächst möchte ich mich ihnen kurz vorstellen:

Mein Name ist Ralf Fuhrmann, ich bin 47 Jahre alt und seit 1998 als internistischer Hausarzt in der Nordstadt niedergelassen, seit 2005 in Gemeinschaftspraxis mit meinem Kollegen Dr. Uwe Fröhlich.

Nach Pforzheim kam ich 1989 nach meinem Medizinstudium in Heidelberg noch als Student an das Städtische Klinikum, später absolvierte ich dort einen Großteil meiner Facharztausbildung zum Internisten; 2 Jahre war ich dann noch an den Enzkreiskliniken in Neuenbürg, einem kleineren Krankenhaus, tätig.

Neben meiner beruflichen Tätigkeit bin ich auch politisch aktiv als Stadtrat und auch in der evangelischen Kirche als Ältester in der Lukasgemeinde hier in der Weststadt.

Auch mit der Buckenberggemeinde bin ich noch ein wenig verbunden, habe ich doch Anfang der 90er Jahre ca. 3 Jahre in der Kolpingstraße gewohnt und war schon hier Gemeindeglied. Umso mehr freue ich mich heute hier zu sein.

Die Verarbeitung von Krankheit und Krankheit als Stigmatisierung –

Der kranke Mensch als Aussenseiter?

In meiner täglichen Praxis stelle ich mir oft die Frage, wie Menschen mit dem Schicksal ihrer Erkrankung umgehen – gerade wenn es einen besonderen Einschnitt in das Leben und die bisherige Planungen bedeutet.

Schnell kommen wir dann nach Eröffnung einer schweren Diagnose im Gespräch auch auf die Sinnfrage – von Krankheit, Leiden und Sterben:

Warum?

Warum gerade ich?

Warum gerade jetzt?

Warum muss ich es so schwer haben?

Warum lässt Gott das zu?

Sie alle kennen vielleicht aus dem eigene Erleben, oder wenn anderen etwas zustößt, wie diese Fragen ständig bohren, an der Seele nagen und wie das ständige Drehen der Gedanken um diese Frage, jede Kraft zum Leben und Handeln zu rauben scheinen.

Wie oft habe ich erlebt, dass das „Zurückfallen“ auf oder das ständige „Kreisen“ um diese Fragen, jede aktive Mitarbeit des Kranken hemmt, wichtige Heilungsprozesse blockiert oder gar unmöglich macht.

Es bedarf nach der Mitteilung einer schlimmen Diagnose und den möglichen, auch schmerzhaften Therapiemöglichkeiten oft vieler intensiver einfühlender Gespräche und manchmal auch einfach auch Zeit - genau im Umgang mit diesen „Warum“- Fragen.

Zu sehr sind wir Menschen „mechanistisch“ orientiert – was habe ich falsch gemacht?

Welchen Fehler, welche Schuld habe ich auf mich geladen, um so –von Gott- gestraft zu werden?

Wie es der Predigttext heute auch sagt und klar anspricht: „Wer ist schuld daran, dass dieser Mann (von Geburt an) blind ist? War es seine eigene Schuld oder die Sünde seiner Eltern?“ Joh. 9, 2

Fragestellungen wie sie kranke Menschen nicht nur selber in schlaflosen Nächten umtreiben, die sie sich immer wieder selbst verzweifelt fragen und doch keine Antwort darauf finden. Wie es aber gerade auch die Mitmenschen, die Partner, die Familie und die Umgebung immer wieder fragen.

Damit aber setzen sie die Kranken zusätzlich unter Druck, verurteilen sie, teilen sie ein, grenzen sie aus, stigmatisieren sie.

Sie alle kennen das sicher das auch –

Dieser zermürbende Prozess hemmt und blockiert den Kranken. Kommt dazu der Druck von außen wird es unerträglich. Es kostet unendlich viel Kraft und Energie, ohne am Ende wirklich ein Stück weiter zu sein.

Zur Bewältigung einer schweren Krankheit, zur Verarbeitung einer schlimmen Diagnose brauchen die Patienten möglichst ihre volle körperliche und psychische Kraft, die sich gegen die Krankheit und zusammen auf Bewältigung von möglichen Therapien richtet.

Dies gilt meiner Meinung nach auch in den vielen „aussichtlosen“ Fällen, ohne Hoffnung auf eine Heilung, wo es um unheilbar kranke Menschen und deren Leben oder Sterben mit diesen Diagnosen geht.

In meiner eigenen Praxis behandle ich viele Menschen mit einer HIV Infektion, schweren Krebserkrankungen oder einer Hepatitis C Infektion.

„Es zieht einem den Boden unter den Füssen weg“

„Es ist wie ein schwarzer Tunnel und ich weiß nicht wo ich hin soll, da es keine Richtung, keinen Weg mehr gibt“

„Ich falle in ein tiefes schwarzes Loch“ -

So oder ähnlich beschreiben die Patienten mir oft das erste Erleben, wenn sie eine solche Diagnose erhalten haben. Oft können sie das aber erst viel später in der Rückschau so beschreiben, da sie am Anfang wie gelähmt sind.

Ganz schnell kommt dann diese „Warum“- Frage, der Blick zurück, die Suche nach einer „Erklärung“ für eine Krankheit.

Und auch, wenn es sich um eine Infektionskrankheit handelt und der Patient sich fragt, wann und bei wem er sich angesteckt habe – er findet eben keine befriedigende, erlösende Antwort. Noch dazu sind diese Fragen eben alle rückwärts gewandt.

Als hilfreich habe ich dabei oft erlebt, weg von der „Warum“- Frage auf seinen Blick in eine andere Richtung zu konzentrieren.

Ich ermutige den Patienten aus der „warum“ eine „Wozu“- Frage zu machen.

Wozu ist diese Krankheit gut? Wozu kann das in meiner jetzigen Lebenssituation auch gut sein?

Wozu bringt sie mich jetzt in meinem Leben, in meiner Lebensplanung?

Wozu bin ich fähig?

Was wird sich für mich ändern durch diese Krankheit – auch im Positiven?

Wozu muss ich das alles mitmachen – lässt Gott mich das alles aushalten- auch damit ich mich weiter entwickle als Mensch?

Diese ungewohnte, ungewöhnliche Fragestellung bekommt zwar auch nicht auf alle Fragen gleich eine Antwort – aber sie richtet den Blick nach vorn, in die Zukunft und macht handlungsfähig.

Viele Berichte habe ich von Patienten bekommen, wie befreiend dies wirkt und wie viel Kräfte das freisetzt und mobilisiert. Wie dies in den Heilungsprozess dann einfließt oder aber ein Leben mit einer tödlichen Diagnose auch erst möglicht macht, ohne zu verzweifeln. Dies gibt vielen Patienten unverhofft neue Kraft und neuen Mut.

Dies können die Kranken alles selber tun oder mit Hilfe erreichen und sich entwickeln in der Auseinandersetzung mit ihre Krankheit.

Ein wichtiger Punkt ist aber die Reaktion der Umgebung auf eine schlimme oder ungewohnte Krankheit, auf eine Behinderung oder gar tödliche Diagnose.

Wie gehen wir als einzelne und auch als Gemeinschaft damit um, wenn wir von einer HIV-Infektion eines Arbeitskollegen erfahren, von einer schweren psychischen Erkrankung eines Nachbarn, von der tödlichen Diagnose eines guten Freundes.

Suchen wir nicht alle sofort nach „Ursachen“, „Fehlern“, einfach Gründen für diese Erkrankung?

„Eine Strafe Gottes“

„Hätte sie eben aufgepasst und wäre nicht mit jedem ins Bett“

„Kein Wunder bei dem zügellose Leben“

„Selber Schuld“

Wir versuchen als Außenstehende auch eine „Warum“- Frage zu stellen und für uns eine schnelle klare Lösung zu finden.

Dies grenzt aber den Kranken aus.

Es stigmatisiert ihn.

Es stößt ihn fort.

Und macht weiter krank.

Bei google finden wir:

Stigmatisierung erweist sich für den Betroffenen als zusätzliche Belastung. Stigmatisierung gilt daher auch als zweite Krankheit“. Sie kann nicht nur den Heilungsprozess behindern, sondern häufig auch eine frühe Diagnose und Behandlung. Denn auf Grund der negativen Attribute, die mit diesen Erkrankungen verbunden werden, gehen viele Betroffene nicht oder erst spät zum Arzt.

Diskriminierung erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen: im Rahmen zwischenmenschlicher Beziehungen, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, durch die Politik, Versicherungsanbieter oder durch eine entsprechende Darstellung der Betroffenen in den Medien. Betroffen sind dabei auch die Angehörigen der Kranken, die auch Ablehnung erfahren.

Zur Zeit des Johannesevangelium war es ein von Geburt an Blinder –ob er nur nicht sehen konnte oder die Blindheit auch übertragen gemeint war- und es fragen die Menschen sofort nach seiner und seiner Eltern Schuld.

Genauso erleben wir es auch seit Jahrhunderten.

Zur Zeit der Pest werden Menschen mit Krankheitsanzeichen aus Furcht vor einer Ansteckung nicht mehr versorgt und ihre Leichname noch nicht einmal mehr bestattet. Bis dies in Pforzheim -zum Beispiel- ein paar engagierte Bürger tun – die „Löbliche Singergemeinschaft von 1501“ berichtet noch heute von dieser Tradition.

Aber auch heute werden Menschen „ausgestoßen“ wenn sie krank, alt und anders sind –

im Urlaub bekommt man Schmerzensgeld, wenn Behinderte im gleichen Hotel wohnen,

Altenheime machen zuviel Krach im Wohngebiet,

der Kontakt zu HIV-Infizierten wird einfach abgebrochen, der Arbeitnehmer wird gekündigt,

um Hospize müssen hohe Mauern gezogen werden

Medienwirksam ziehen Mitbewohner aus dem „big brother“ - Haus aus, weil Homosexuelle und HIV Kranke in dieser Folge mitspielen und damit zu viel „ernste Gespräche zu erwarten sind“,

Behinderte werden nicht in speziellen Einrichtungen entsprechend ihrer Kompetenzen gefördert, sondern in Pflegeheime abgeschoben,

psychisch Kranke, Alte und Sterbende in Einrichtungen verwahrt und allein gelassen.

Auch in unserer angeblich so offenen, toleranten Welt ist Ausgrenzung und Stigmatisierung an der Tagesordnung. Geschieht dies oft neben und bei uns, vor unseren Augen - offen und aber auch verdeckt.

Und während bei der „Warum“- Frage zur Krankheitsbewältigung die Kranken noch selber aktiv werden können, auch dann andere neue Fragen stellen können, sind sie der Ausgrenzung und Stigmatisierung durch andere hilflos ausgeliefert.

Dies verschlechtert eindeutig ihren Gesundheitszustand, wie es viele wissenschaftlichen auch Studien belegen.

Es liegt an uns, dies zu überwinden und die Ursachen zu beseitigen.

Oft ist es einfach die Angst vor dem „anders“ sein des Anderen, in vielen Fällen Unwissenheit über Krankheitsbilder, wirkliche Risiken und Ansteckungsmöglichkeiten, in den meisten Fällen aber Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit – unsere eigene Blindheit.

Dabei sollen wir den „Anderen“, den Kranken, den Behinderten annehmen so wie er/sie ist und ihr und ihm offen und furchtlos begegnen und helfen.

Einfach für ihn da sein, für ihn einstehen, zu ihm stehen – auch öffentlich.

Nur so erfährt der „Andere“ dann die Kraft, die ihm auch hilft mit seiner Krankheit, seinem Schicksal, seinem Sterben zu leben und es zu bewältigen.

Dann werden wir auch in diesem Handeln an unserem Nächsten erfahren, wie reich wir dabei beschenkt werden, wenn wir Ausgrenzung und Stigmatisierung überwinden.

In Todesanzeigen hieß es früher einmal oft:

„ Gott dem Herrn hat es gefallen…. zu sich zu rufen!“

Ich denke, in meinem Verständnis eines liebenden und fürsorgenden, gnädigen Gottes kann er keinen Gefallen an Krankheit oder Tod für uns Menschen haben.

„Er ist blind, weil an ihm die Macht Gottes sichtbar werden soll!“ Joh, 9, 3

In dem Sinne des Predigtextes heute heißt dies wohl, dass bei allem Leid, Krankheit und Elend und Sterben in der Welt am Ende nicht die Frage nach dem „Warum“ das entscheidende ist, sondern die Feststellung und feste Zusage, dass Gottes Handeln in dieser Welt sichtbar werden will – gerade auch durch uns:

Durch unseren offenen, liebevollen Umgang mit Blinden, Kranken, Behinderten, Alten, dem Nächsten, und auch dem sorgsame Umgang mit mir selber,

wo es keine Ausgrenzung und Stigmatisierung mehr gibt – und immer wieder Wege ins Leben bereitet werden und offen stehen!

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit.

Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.

Der uns in frühe Zeiten das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

AMEN.

 

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